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Welche Sicherung gehört zu diesem Kabel

4 Minuten Lesezeit · Veröffentlicht am 30.09.2026 · Zuletzt geändert am 17.10.2026

Die Sicherung schützt das Kabel, nicht das Gerät. Der Nennwert wird deshalb vom Querschnitt her bestimmt und nicht von dem, was am anderen Ende hängt. Der Rechner nennt die größte zulässige Größe aus der genormten Reihe und prüft den Dauerstrom dagegen.

Gerechnet mit ϱ = 0,0214 Ω·mm²/m für Kupfer. Strombelastbarkeit nach DIN VDE 0298-4, Verlegeart B1 (einadrige Leitungen in Rohr oder Kanal), zwei belastete Adern, PVC. Freiliegende Einzeladern dürfen mehr, gebündelte Leitungen im Motorraum weniger. Das Ergebnis ist eine Rechnung, keine Abnahme: Es gibt eine Orientierung, die verbindliche Auslegung Ihrer Anlage macht im Zweifel eine Fachkraft.

In drei Sätzen

Erst der Querschnitt, dann die Sicherung, nie umgekehrt. Ihr Nennwert liegt bei mindestens dem Dauerstrom plus 25 % Reserve und unter dem, was das Kabel an seinem Einbauort trägt. Bleibt dazwischen keine Größe übrig, ist das Kabel zu dünn. Und die Nennspannung der Sicherung muss zur Anlage passen: Eine 32-V-Sicherung reicht in einer 48-V-Anlage nicht.

Die Sicherung schützt das Kabel

Das ist der Satz, aus dem alles Weitere folgt, und es ist der Satz, an dem viele Fehlauslegungen vorbeigehen. Die Sicherung sitzt nicht im Stromkreis, um den Wechselrichter zu retten. Sie sitzt dort, damit das Kabel nicht zu heiß wird, wenn hinter ihm etwas schiefgeht.

Daraus ergibt sich die Reihenfolge: Erst steht der Querschnitt fest, dann die Sicherung. Nicht umgekehrt. Wer die Sicherung nach dem Typenschild des Geräts aussucht, wählt sie fast immer zu groß. Eine zu große Sicherung schützt das Kabel nur noch vor dem satten Kurzschluss, nicht vor Überlast, und erzeugt ein Schutzgefühl, das nicht gedeckt ist.

Zwei Grenzen, eine Auswahl

Zwei Sammelschienen, Plus rot und Minus schwarz, mit Batteriekabeln verschiedener Querschnitte, jedes Ende mit Rohrkabelschuh und Schrumpfschlauch
Jede Leitung an diesen Sammelschienen hat ihren eigenen Querschnitt, und jede braucht die Sicherung, die zu ihrem Querschnitt gehört, nicht zum Gerät dahinter.

Der Nennwert wird von zwei Seiten eingeschnürt:

von oben Die Sicherung darf nicht größer sein als das, was das Kabel dauerhaft trägt. Sonst erreicht das Kabel seine Grenztemperatur, bevor sie anspricht.
von unten Sie muss über dem Betriebsstrom liegen, mit Reserve. Eine Sicherung, die dauernd an ihrem Nennwert läuft, altert und löst irgendwann ohne Anlass aus.

Als Reserve rechnet der Rechner 25 % auf den Dauerstrom. Bleibt zwischen den beiden Grenzen keine Größe übrig, ist das kein Rechenproblem, sondern eine Aussage: Dann ist das Kabel zu dünn für diesen Verbraucher.

Ein Beispiel

  1. Das Kabel. Ein 25-mm²-Kabel, einzeln in einem Kanal verlegt, 30 °C Umgebung. Es trägt 101A. Die größte Sicherung aus der Reihe, die darunter bleibt, ist 100A.
  2. Der Verbraucher. Am Kabel hängt ein Gerät mit 60A Dauerstrom. 60A plus 25 Prozent sind 75A, die nächste erhältliche Größe darüber ist 80A.
  3. Die Probe. 80 liegt unter 100, die Auslegung geht auf.
  4. Die Gegenprobe. Läge derselbe Verbraucher an einem 16-mm²-Kabel: 76A Belastbarkeit, größte Sicherung 70A, gebraucht würden 80A. Hier fehlt Querschnitt, nicht Sicherung.

Die Reihe zum Nachschlagen

Ausgegeben wird nur, was es als Sicherung tatsächlich zu kaufen gibt. Ein Rechner, der 137A nennt, ist nutzlos, gebraucht wird die Größe, die im Regal liegt.

Querschnittträgt bei 30 °Cgrößte Sicherungträgt bei 60 °Cgrößte Sicherung
10 mm²57A50A29A25A
16 mm²76A70A38A30A
25 mm²101A100A51A50A
35 mm²125A125A63A60A
50 mm²151A150A76A70A
70 mm²192A175A96A80A
95 mm²232A225A116A100A

Belastbarkeit nach DIN VDE 0298-4, Verlegeart B1 (einadrige Leitungen in Rohr oder Kanal), zwei belastete Adern, PVC-Isolierung. Die beiden 60-°C-Spalten sind kein Beiwerk: Im Motorraum halbiert sich die Belastbarkeit, und damit halbiert sich auch die Sicherung. Ein 70-mm²-Kabel, das dort liegt, verträgt keine 175-A-Sicherung mehr, sondern 80A.

Gebündelte Leitungen tragen weniger

Liegen mehrere Stromkreise beieinander, heizen sie sich gegenseitig auf. Plus und Minus eines Kreises zählen dabei als einer. Der Rechner zieht dafür einen Faktor ab:

VerlegungFaktor25 mm² bei 30 °C trägt dann
ein Stromkreis allein in Rohr, Kanal oder Wellrohr1,00101A
mit einem weiteren Stromkreis gebündelt0,8081A
mit zwei weiteren Stromkreisen gebündelt0,7071A
vier bis sechs Stromkreise gebündelt0,5758A

Mehr als sechs Stromkreise in einem Bündel rechnet der Rechner nicht, dort liegt der Faktor noch tiefer. Frei in Luft liegende Einzeladern dürfen umgekehrt mehr als die Tabelle. Diesen Fall bietet der Rechner bewusst nicht an. Ein zu großer Wert ist der Fehler, der am Fahrzeug endet und nicht am Bildschirm, dafür braucht es die geprüfte Zeile aus dem Normtext und nicht eine Schätzung.

ANL, MIDI, MEGA: die drei Bauformen

Gesucht wird eine Sicherung meistens beim Namen ihrer Bauform. Alle drei sind Streifensicherungen mit verschraubtem Anschluss, sie unterscheiden sich in Baugröße, Strombereich und darin, welchen Kurzschlussstrom sie noch unterbrechen:

Bauformübliche NennströmeBauartAbschaltvermögen, Größenordnung
MIDI30 bis 200 Akleiner Streifen, Lochabstand 30 mm, Bolzen M5 oder M6, oft direkt am Polrund 2.000A bei 32V
MEGA40 bis 500 Agrößerer Streifen, Lochabstand rund 51 mm, Bolzen M8 oder M6rund 2.000A bei 32V
ANL35 bis 750 AStreifen mit Abdeckung, Lochabstand rund 62 mmje nach Hersteller 2.700 bis 6.000 A

Die obersten Stufen, MIDI ab 150A und MEGA ab 300A, gibt Littelfuse nur als Kurzschlussschutz an. Die Zahlen sind Größenordnungen aus üblichen Datenblättern, verbindlich ist das Blatt des Herstellers, das Sie einbauen. Bei LiFePO4-Bänken liefert schon ein einzelner Block Kurzschlussströme im vierstelligen Bereich, dort entscheidet das Abschaltvermögen darüber, ob die Sicherung den Kurzschluss beendet oder Teil davon wird. Mehr dazu in Wo die Sicherung hingehört.

Die Nennspannung, die fast jede Tabelle auslässt

Eine Sicherung hat neben dem Nennstrom eine Nennspannung, und nur bis zu ihr unterbricht sie sicher. Darüber kann der Lichtbogen zwischen den Enden des durchgeschmolzenen Streifens stehenbleiben: Die Sicherung ist durchgebrannt, und der Strom fließt weiter. Genau der Fall, gegen den sie eingebaut wurde.

Systemhöchste Spannung im Betrieb32-V-Sicherung
12Vrund 15Vreicht mit Abstand
24Vrund 30Vreicht, aber knapp
48Vrund 59Vreicht nicht

48 Volt brauchen eine andere Bauart

Die Standardausführungen von MIDI und MEGA sind für 32V Gleichspannung zugelassen, ANL je nach Hersteller für 32V oder bis 80V. Für eine 48-Volt-Anlage brauchen Sie eine Ausführung mit höherer Nennspannung; MIDI und MEGA gibt es auch für 58V und 70V, zum Teil mit anderem Lochabstand. Der Wert steht auf dem Sicherungskörper, dort gehört er nachgesehen, denn es gibt dieselben Bauformen in mehreren Ausführungen.

Die Spannungen in der Tabelle sind die Ladeschlussspannungen gängiger LiFePO4-Bänke, aufgerundet. Bleibatterien bleiben darunter, eine ungeregelte Lichtmaschine kann kurz darüber liegen.

Was der Rechner nicht kann

Er wählt einen Nennwert. Er sagt nichts über die Auslösecharakteristik, nichts über das Schaltvermögen im Kurzschlussfall und nichts darüber, ob Ihre Batterie diesen Strom überhaupt liefern kann. Bei einer großen LiFePO4-Bank kann sie es, und dann entscheidet das Schaltvermögen darüber, ob die Sicherung den Kurzschluss beendet oder Teil davon wird.

Und er weiß nicht, wo die Sicherung sitzt. Alles zwischen Batterie und Sicherung ist ungeschützt, egal wie richtig der Nennwert ist.

Das Ergebnis ersetzt keine Prüfung der fertigen Anlage.

Vom Sicherungswert zum Kabel

  • bis 6 mm²Flachsicherung im Kabel. Bis 20, 25, 35 oder 40A je nach Querschnitt sitzt die Sicherung als fliegender Halter direkt in der Leitung: Batterieanschlusskabel.
  • ab 10 mm²MIDI, MEGA oder ANL am Pol. Das Batteriekabel endet mit einem Rohrkabelschuh in der Bohrung des Halters, Batteriekabel konfigurieren, Bohrung je nach Querschnitt von M5 (10 und 16 mm²) bis M12 (ab 35 mm²).
  • ZahlErst der Querschnitt. Wer noch keinen hat, holt ihn beim Querschnittsrechner und kommt dann hierher zurück.

FAQ

Warum richtet sich die Sicherung nach dem Kabel und nicht nach dem Gerät?
Weil das Kabel das ist, was brennen kann. Ein Gerät hat entweder einen eigenen Schutz oder es geht kaputt — beides bleibt an einer Stelle. Ein überlastetes Kabel wird auf seiner ganzen Länge heiß, und diese Länge führt durch Hohlräume, unter Verkleidungen und an Kraftstoffleitungen vorbei.
Meine Sicherung löst dauernd aus, obwohl das Kabel dick genug ist. Woran liegt das?
Meist daran, dass sie zu knapp am Dauerstrom liegt. Der Schmelzleiter glüht bei jedem Lastwechsel an und altert. Der Rechner schlägt deshalb 25 Prozent auf den Dauerstrom auf, bevor er die Größe wählt. Löst sie trotzdem aus, sitzt sie zu warm oder der Kontakt im Halter ist schlecht.
Kann ich eine größere Sicherung einbauen, wenn die kleine dauernd fliegt?
Nur solange sie unter der Belastbarkeit des Kabels bleibt. Darüber schützt sie niemanden mehr: Das Kabel erreicht seine Grenztemperatur, bevor die Sicherung anspricht. Wenn der Dauerstrom über der Belastbarkeit liegt, fehlt Querschnitt und nicht Sicherungsstrom.
Warum fragt der Rechner nach der Systemspannung?
Wegen der Nennspannung der Sicherung. Sie unterbricht den Strom nur bis zu der Spannung sicher, für die sie zugelassen ist. Die Standardausführungen von MIDI und MEGA sind für 32 Volt Gleichspannung ausgelegt, ANL je nach Hersteller für 32 oder bis 80 Volt. In einer 48-Volt-Anlage reichen 32 Volt nicht.
Wo im Kabel sitzt die Sicherung?
So nah an der Quelle wie möglich, also am Pluspol der Batterie. Alles zwischen Batterie und Sicherung ist ungeschützt. Wie nah genau und was bei mehreren Verbrauchern gilt, steht im Text zur Platzierung der Sicherung.

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